Anish Kapoor im Deutsche Guggenheim. Memory ist eine raumspezifische Installation für die Deutsche Guggenheim in Berlin, bestehend aus einem 24 t schweren Stahl-Hohlkörper, der von den drei möglichen Betrachtunspunkten aus jeweils eine andere Form zu besitzen vorgibt.

Der Betrachter setzt diese Perspektiven schließlich im Kopf zusammen - die Arbeit entsteht im Auge des Betrachters nur aus der Erinnerung der einzelnen Teile. Memory ist denn auch der Titel des Stahlkörpers, ein Gedächtnis-Tank aus Schiffstankerstahl, aber durch die ovale Form auch ein Stichwortgeber für Assoziationen und Erinnerungen, die bei jedem Betrachter anders sein mögen: vom Rugbyball über den Schiffsrumpf hin zur Bombe, einer Assoziation, die Kapoor selbst erst beim Aufbau in Berlin kam. 



Die Arbeit wird in Berlin, New York und in Indien zu sehen und mit jeweils anderen Erinnerungen beladen sein, Frachtschiff der Erinnerungen in einer globalen Welt. Erinnerung ist das, was mit dem Altern “verblasst”, Patina ansetzt: als Material hat Kapoor folgerichtig COR-TEN-Stahl gewählt, einen Stahl der innerhalb kürzester Zeit rostet, und dadurch aber eine versiegelnde Sperrschicht erhält.  Erstmals hat Kapoor damit keine glänzendglatten Oberflächen verwendet. Erinnerungen sind dünne rostige Platten, die alle mit einander verschraubt sind.

Kapoors Objekt entbehrt jeglicher epischen Breite, es erzählt “keine Geschichte”. Dennoch hat es eine große zeitliche Dimension: man benötigt Zeit, um das Werk zu erfassen und auch die Tatsache, dass es als singuläre Arbeit ausgestellt wird fordert das ein, was Kapoor dem Rezipienten abverlangt: ein “würdevoller” Umgang mit Kunst. Memory ist eine große ästhetische und philosophische Arbeit, die sich wohltuend einsam und still gegen die laute, kreischende Masse des Kunstbetriebs stellt.

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