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Raum für Gestaltung.

Archiv März, 2009

Play Bach

Gutes Interface-Design ist wie eine Bach-Fuge. Dynamisch und präzise läßt es die Komplexität des dahinter liegenden Systems einfach erscheinen, ohne seine Tiefe zu verbergen.

Branding Interfaces

Im Sommersemester 2009 werde ich Prof. Jo Wickert an der HTWG Konstanz vertreten und im 5./6. Semester Interface Design unterrichten. Für das Projektsemester habe ich folgendes Thema angekündigt:

Branding Interfaces

 

Sämtliche Arbeitsschritte sollten so dokumentiert werden, dass am Ende des Semesters (multimediales) Material für eine Abschlusspräsentation bereitsteht.

Der Titel der Vorlesung verbindet zwei Begriffe in einem doppelten Wortsinn: einerseits das “Branding” von Interfaces, also die markenadäquate Gestaltung von Interfaces, andererseits die Eigenschaft eines Interfaces, Teil der Markenführung zu sein.

 

Auf Basis von vorgefertigten (fiktiven) Briefings von Markenunternehmen erarbeiten die Studenten zunächst in einem analytischen Dreischritt die Zielsetzungen an ein Interface aus Nutzer- Marken- und Geschäftssicht. Darüber hinaus werden Referatsthemen verteilt, in denen jeweils ein Aspekt der Interface Gestaltung für Marken theoretisch erörtert wird:  Welche Typen von Interfaces gibt es? Inwiefern unterscheiden sich diese Typen in der Interaktion? Welche Elemente eines Interfaces können Teil einer interaktiven Markensignatur werden?

 

Im zweiten Teil des Projektsemesters wählen die Studenten selbst, welche Art von Interface sie gestalten möchten. Sie haben die Wahl zwischen: bildschirmbasierten Formaten (Website, Desktopapplikation, Mobile), Objekten/Devices, interaktiven Environments, interaktiver Architektur oder auch Mischformen wie sie in Anwendungen der Augmented Reality zu finden sind. Die eingangs definierten Ziele werden in erste gestalterische Ansätze übersetzt. Je nach selbst gewähltem Interface Typ werden Skizzen, Scribbles, Moodboards erstellt oder technologische Grundlagen bereitet. 

 

In einer letzten Projektphase werden diese Ansätze zu Prototypen/Klickdummies/Modellen weiterentwickelt. Der Grad der Fertigstellung ist dabei weniger relevant, als die Fähigkeit zur nachvollziehbaren Demonstration der geplanten Form und Funktion.

Dieter Rams

Nachklapp zum Thema Simplicity: in jüngster Zeit treffe ich immer wieder auf Dieter Rams. Sein Regal hängt bei Freunden im Wohnzimmer. Seine Arbeit für Braun inspiriert seit einigen Jahren den Apple Produktdesigner Jonathan Ive - bis hin zu virtuellen Adaptionen der Vorbilder wie dem Taschenrechner ET66 aus den 70ern auf dem iPhone.

Dieter Rams, der Ulmer Schule nahestehend, betonte in Interviews immer wieder seinen Leitspruch “Weniger, aber besser.” Seine 10 Thesen für gutes Design sind in einem Interview mit dem Deutschland Radio von 2007 anläßlich der Verleihung des Lucky Strike Design Preises nachzulesen:

 ”1. Gutes Design ist innovativ. 

2. Gutes Design macht ein Produkt verständlich. 

3. Gutes Design ist ästhetisch.
4. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.
5. Gutes Design ist unaufdringlich.
6. Gutes Design ist ehrlich.
7. Gutes Design ist langlebig.
8. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail.
9. Gutes Design ist umweltfreundlich.
10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.”

Gegenüberstellungen der Braunschen Originale mit den von ihnen inspirierten Apple Produkten finden sich zahlreich im Web. Ich habe einige hier noch einmal zusammengetragen:

 

Apple Taschenradio und der iPod.

 

Vielleicht das offensichtlichste Beispiel für Ives Anleihen bei Rams:
das Taschenradio T3 von 1958 und Apple iPOD (seit 2002, hier die 3. Generation).

Das Braun L60 Hifisystem und der Apple iPOD Hi-Fi.

Braun Lautsprecher LE1 und der iMAc.

Ob das tatsächlich die Referenz war? Das Braun Atelier TV und der aktuelle Apple iMac 24 Zoll.

Klassiker: Der Braun T1000 Weltempfänger von 1964 und der Apple PowerMac G5/Mac Pro.

Nicht von Rams, sondern von Erwin Braun ist der Ultrarot Hyperthermiestrahler. Daneben Apples iSight Kamera. 

Dieter Rams und Jonathan Ive.

Das Design von Apple weiß Rams übrigens zu schätzen. Im Radiointerview sagt er:

“Ich habe damals immer gesagt, sie können es an ihren zehn Fingern abzählen, wer auf der ganzen Welt Design wirklich ernsthaft betreibt oder ernst nimmt - auch an Firmen. Und daran hat sich wenig geändert. Es gibt heute wieder Designer als auch Firmen - als erstes würde ich nennen wollen: apple.”

 

Links zum Thema:

Interview mit Dieter Rams: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/696966/

Braun und Apple: http://gizmodo.com/343641/1960s-braun-products-hold-the-secrets-to-apples-future

50 Jahre Design Klassiker: http://www.braun.com/50yearsdesign.html